Nach wie vor gründen weniger Frauen als Männer ein eigenes Startup. Laut des Female Founders Monitor von April beschränkt sich der Anteil in Deutschland gerade einmal auf 15,1 %.
Auch wenn die Frauenquote über die Jahre steigt, macht der weibliche Part nur einen kleinen Teil unter den Gründern aus.

Wir sind der Ursache auf den Grund gegangen und nennen euch einige Beweggründe dafür. Ihr erfahrt aber auch, wo der Trend hingeht und wie Frau sich durchsetzen kann.

Vor welchen drei großen Herausforderungen stehen Gründerinnen?

1. Traditionelles Rollenbild

Auch wenn wir oft meinen, dass das Klischeedenken „Der Mann geht arbeiten und die Frau erledigt den Haushalt“ schon lange als überholt gilt, irren wir uns.

Diese konservative Arbeitsaufteilung ist nach wie vor ein Thema in unserer Gesellschaft. Sucht man nach bekannten weiblichen Unternehmern, wird man tatsächlich wenige finden. Zudem geben sich viele Gründerinnen – wenn auch oft unbewusst – den typischen „Sparten“ wie Fashion und Beauty hin und überlassen damit den meisten Männern den Technikbereich.

Der Ursprung hierfür geht bis in die Schulzeit zurück: Noch heute tendieren weniger Mädchen als Jungs zu naturwissenschaftlichen Bereichen und übertragen dieses Interesse auch auf ihre weitere Karrierelaufbahn.

Doch es ist Hoffnung in Sicht: Immer mehr Schülerinnen und Studentinnen werden die technischen Bereiche schmackhaft gemacht und die Selbstständigkeit als Alternative aufgezeigt.

2. Geschlechterkampf

Netzwerken ist in der Startup-Szene alles. Wer keine Kontakte hat, ist verloren. Denn hier sind Gründerinnen und Gründer auf Geldgeber und Partner sowie Strategietipps angewiesen, um Aufträge an Land zu ziehen.

Doch auch hier kommunizieren Frauen anders als Männer – nicht verwunderlich, da das weibliche Geschlecht aufgrund seiner anderen Voraussetzungen Fragen und Ansprüche hat, die bei männlichen Gründern im Rahmen der Unternehmensgründung nicht aufkommen.

Der Einstieg stellt hier die wohl größte Hürde für Gründerinnen dar, da ihre männlichen Kollegen oftmals einen einfacheren Zugang zum Netzwerk oder aber sich ihren Platz schon längst gesichert haben. Ohne eine feste Verankerung im Unternehmensgründernetzwerk und den Zugang zu möglichen Geldgebern sinken die Erfolgschancen für Frauen enorm.

Damit soll zukünftig Schluss sein: Es gibt immer mehr Netzwerke für Frauen, auch teils ausschließlich, die sich auf ihre Fragen rund ums Thema Karriere fokussieren. Für Gründerinnen ein echtes Sprungbrett in die Welt der eigenen Existenzgründung.

3. Finanzielle Schwankungen

Die meisten Frauen schrecken vor dem Begriff „Entrepreneurship“ (dt. Unternehmertum) zurück. Denn mit der eigenen Existenzgründung assoziieren sie eine gewisse Unsicherheit, die ihnen Angst bereitet. In der Gründerszene gibt es vor allem wenige Frauen, weil die meisten einen viel zu großen Respekt vor dieser Selbständigkeit haben. Sie sind sehr sicherheitsorientiert und überlegen lange, ob ihre Ziele realistisch sind – viel länger als Männer, die sich einfach schneller trauen.

Hier spielt insbesondere der finanzielle Aspekt eine große Rolle: Heutzutage gründen die meisten Menschen mit ihrem Eigenkapital. Vor allem Frauen, weil sie bei der Verteilung des Wagniskapitals oft nachranging behandelt werden. Es ist bewiesen, dass aufgrund der Geschlechterklischees Frauen weniger Risikokapital (VC) bekommen.

Auch in dem Punkt ist eine Besserung in Sicht: Dadurch, dass Frauen in der Technikbranche unterbesetzt sind und oftmals mit einem geringeren Anteil an Risikokapital ausgestattet werden, sorgt beides seit Jahren für immer mehr Diskussionsbedarf. Venture-Capital-Geber und Initiativen beschäftigen sich mit dem Problem und thematisieren mögliche Wege und Antriebe für Gründerinnen, die mehr finanzielle Sicherheit benötigen.

Die Gründerszene ist geprägt von einem ständigen Wandel, der stark von der Wirtschaft und Politik beeinflusst wird. Um die Emanzipation weiter voranzutreiben und Frauen eine erfolgreiche Gründung zu ermöglichen, bedarf es anderer Voraussetzungen und lokalen Initiativen für Frauen. Digital Hubs müssen ihnen beispielsweise aufgezeigt werden, damit sie die gleichen Chancen wie ihre männliche Konkurrenz auf dem Markt wahrnehmen und ihr Potential vollständig ausschöpfen können.